Sonnenkraft trifft Landwirtschaft: Erfolgreicher Bionet-Fachtag „Agri-PV & Ackerbau“ im Seewinkel
Mit großem Interesse und reger Beteiligung fand Anfang Juni der Bionet-Fachtag „Agri-PV & Ackerbau“ am Tadtner Meierhof (Neuhof) im burgenländischen Seewinkel statt. Die Veranstaltung wurde vom Netzwerk Bionet gemeinsam mit der PANNATURA GmbH als Mitveranstalter und Praxispartner organisiert. Im Zentrum stand die innovative Verbindung von landwirtschaftlicher Produktion und erneuerbarer Energiegewinnung mittels Agri-Photovoltaik (Agri-PV) – ein Ansatz, der zunehmend als Schlüssel für eine nachhaltige und zukunftsfähige Landnutzung gilt.
Das hochkarätige Vortragsprogramm bot umfassende Einblicke in aktuelle Entwicklungen, Forschungsergebnisse und praktische Anwendungen der Agri-PV. Expertinnen und Experten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz beleuchteten zentrale Fragestellungen aus den Bereichen Technik, Recht, Ökonomie und landwirtschaftlicher Praxis.
Alexander Bauer (Universität für Bodenkultur Wien) präsentierte zu Beginn unter anderem Erkenntnisse aus Schattensimulationen sowie Berechnungen zur täglichen Sonnenenergie unter den Modulen und verwies auf laufende Untersuchungen zu Regenverteilung, Bodenfeuchte, Windeinwirkung und Luftfeuchtigkeit. Im Anschluss erläuterte Martin Wette
(Landwirtschaftskammer Österreich) die rechtlichen Rahmenbedingungen für erfolgreiche Agri-PV-Systeme und verwies darauf, dass bereits rund 40 % des österreichischen Bruttoendenergieverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Ralf Roggenbauer (Energiepark Bruck/Leitha) stellte internationale Beispiele aus Europa und China vor und zeigte unterschiedliche technische Lösungen sowie Praxiserfahrungen.
Till Skudelny (Doppelernte GmbH, Deutschland) erklärte das Prinzip der „Doppelernte“ und präsentierte ein Praxisbeispiel aus Bayern. Dabei ging er auf Vorteile bifazialer Module, welche auf der Vorder- und Rückseite Sonnenlicht aufnehmen und so mehr Energie erzeugen können, ein, die Mehrerträge von bis zu 12 %
ermöglichen können. Rhea Pöter (Fraunhofer ISE, Deutschland) gab Einblicke in die Entwicklungsgeschichte der Agri-PV seit 1981 und präsentierte aktuelle Erkenntnisse aus Forschung und Praxis. Danach stellte Stefan Baumann (Forschungsinstitut für biologischen Landbau/FiBL Schweiz) das langfristig angelegte Projekt AgriSolar vor, das über 25 Jahre hinweg Erkenntnisse zur landwirtschaftlichen Nutzung unter Agri-PV sowie zu Klimaschutz und Klimaanpassung liefert.
Praxisbeispiel Tadten/Wallern im Mittelpunkt
Ein besonderer Schwerpunkt lag nach dem breiten fachlichen Input auf der Vorstellung der Agri-PV-Anlage Tadten/Wallern, einem der größten Agri-PV-Wind-Kombinationsprojekte Europas. Die Anlage wurde nach rund 12 Monaten Bauzeit im März 2025 in Betrieb genommen und umfasst aktuell 120 Hektar installierte Fläche mit einer Modulleistung von 118MW, während sich weitere 18 Hektar in der zweiten Bauphase im Ausbau
befinden. Das gemeinsame Projekt von Burgenland Energie und PANNATURA GmbH
zeigt eindrucksvoll, wie die agrarische Produktion durch moderne Tracker-Technologie im großen Maßstab aufrechterhalten werden kann. Während Burgenland Energie die technische Planung und Umsetzung der Stromerzeugung sicherstellt, bringt PANNATURA die notwendige Expertise in der biologischen Bewirtschaftung und Biodiversitätsförderung ein. Das Projekt vereint diese wichtigen Komponenten somit in einem zukunftsweisenden Gesamtkonzept:
• Verzicht auf klassische Einzäunung – stattdessen Einsatz von Naturbarrieren wie Hecken sowie intelligentes Kameraüberwachungssystem
• Erhalt des bestehenden Biotopverbunds und Umsetzung zusätzlicher
ökologischer Aufwertungsflächen
• gezielte Schaffung von Lebensräumen und Strukturen für Pflanzen und Tiere
• vollständige Offenheit der Flächen für landwirtschaftliche Nutzung und Biodiversität
• schwenkbare Module und Reihenabstände von acht Metern
für neue Bewirtschaftungsformen
Feldbesichtigung und Innovation zum Anfassen
Im Anschluss an die Fachvorträge bot der Nachmittag praxisnahe Einblicke direkt am Feld. Besichtigt wurden die Agri-PV-Anlage sowie laufende ackerbauliche Versuche des FiBL Österreich mit Getreide, Leguminosen – also stickstoffbindende Hülsenfrüchte - und Feldgemüse. So zeigt sich an den aktuellen Versuchsflächen beispielsweise, dass insbesondere Kulturen wie Salat, Knoblauch, Soja und Erdäpfel besonders gut mit den speziellen Bedingungen zurechtkommen. Ein weiteres Highlight war die Live-Demonstration moderner Hackrobotik durch PANNATURA, Pamberger Landmaschinentechnik GmbH und Gerhard Huber Landmaschinen GmbH , die das Potenzial von Digitalisierung und Automatisierung bis hin zur vollständig autonomen Bearbeitung in der landwirtschaftlichen Praxis zeigte.
Starke Partnerschaften für nachhaltige Lösungen
Die Veranstaltung wurde in enger Zusammenarbeit mit BIO AUSTRIA Burgenland und FiBL Österreich umgesetzt und unterstrich die Bedeutung interdisziplinärer Kooperation entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
„Agri-PV schafft eine echte Symbiose aus Sonnen- und Bodennutzung: Die Pflanzen werden geschützt, während die Photovoltaik durch natürliche Kühlung effizienter arbeitet – ein Gewinn für Landwirtschaft und Energie zugleich“, so Markus Fritz, Leiter des Bereichs Landwirtschaft und Prokurist der PANNATURA GmbH.
Großes Interesse und intensiver Austausch
Neben fundierten Fachinput stand der persönliche Austausch im Fokus. Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Energiebranche und Beratung nutzten die Gelegenheit zur Vernetzung und Diskussion. Die durchwegs positive Resonanz bestätigt den steigenden Bedarf an Information, Praxisbeispielen und Zusammenarbeit im Zukunftsfeld Agri-Photovoltaik.
Ein Rückblick inklusive Fotos zum Event finden Sie auf pannatura.at.



