Jagdsymposium am Bio-Landgut Esterhazy: Altersansprache beim Rotwild im Fokus
Im Rahmen des diesjährigen Jagdsymposiums der Esterhazy Betriebe AG und der PANNATURA GmbH stand ein zentrales Thema der zeitgemäßen Wildbewirtschaftung im Mittelpunkt: die Altersansprache beim Rotwild. Rund 200 Fachbesucherinnen und Fachbesucher folgten der Einladung in die Schilffabrik am Bio-Landgut Esterhazy, um sich über aktuelle Erkenntnisse, praxisnahe Methoden und bestehende Herausforderungen auszutauschen.
Bedeutung fundierter Entscheidungen in der Jagdpraxis
Durch die Veranstaltung führte Christa Kummer, Präsidentin des Vereins Grünes Kreuz für Jagd und Natur. Die offizielle Begrüßung übernahm David Simon, Leiter für Naturschutz, Jagd, Fischerei und Forschung bei PANNATURA. Er betonte die zentrale Rolle von Wissenstransfer und fundierten Entscheidungsgrundlagen in der modernen Jagd: „Gerade bei der Altersansprache ist es entscheidend, Theorie und Umsetzung zusammenzuführen und praxistaugliche Lösungen zu erarbeiten.“
Fachvorträge: Praxis trifft Wissenschaft
Den Auftakt bildeten zwei hochkarätige Impulsreferate, die das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchteten:
Altersansprache im Jagdalltag
Stefan Pfefferle, Revierjagdmeister und Autor, widmete sich der Altersansprache beim lebenden Wild. Er stellte praxisorientierte Methoden vor und hob die Bedeutung von Erfahrung und Beobachtung hervor: „Das Ansprechen von Wild ist eine gesetzliche, aber vor allem eine ethische und biologische Verpflichtung, bei der äußere Einflüsse und das Verhalten des Wildes eine große Rolle spielen. Gleichzeitig braucht es eine Abstimmung mit den Behörden auf Augenhöhe, um verantwortungsvolle Entscheidungen im Revier auf realistischer Basis zu ermöglichen.“
Wissenschaftliche Altersbestimmung beim Rotwild
Im Anschluss präsentierte Andreas Schatz, Gründer des IFAC (Institut für Altersbestimmung von Cerviden), seine wissenschaftliche Methode zur Altersbestimmung: das MultiSegmentTM-Verfahren. Diese Technik basiert auf detaillierten Zahnschliffmethoden und erlaubt eine präzisere Altersbestimmung als herkömmliche Methoden: „Eine Altersschätzung ist keine Altersbestimmung. Herkömmliche Schätzungsmethoden haben nachweislich eine Ungenauigkeit von ein bis drei Jahren.“
Die Methode funktioniert wie eine Art analoges MRT und nutzt objektive wildbiologische Merkmale. Ähnlich wie Jahresringe bei Bäumen oder Wachstumsstrukturen bei Fischschuppen werden die Alterslinien im Zahnzement analysiert. Grundlage ist die wissenschaftliche Publikation zum Zahnschliff von B. Mitchell (1967).
Podiumsdiskussion: „Altersansprache am Rotwild – geht das?“
Im Zentrum der Veranstaltung stand eine praxisnahe Diskussion mit:
- Eva Erlacher (Rechtsanwältin, Autorin und Jägerin)
- Andreas Schatz
- Stefan Pfefferle
- Matthias Grün (Vorstandsvorsitzender der Esterhazy Betriebe AG)
Diskutiert wurden die Herausforderungen zwischen jagdlicher Praxis und wissenschaftlicher Genauigkeit. Während im Revier oft unter Zeitdruck und unter Einfluss von Faktoren wie Lebensraum, Verhalten und Körperbau des Stücks entschieden werden muss, zeigt die wissenschaftliche Nachanalyse häufig Abweichungen.
Rechtliche Perspektive
Eva Erlacher beleuchtete die juristische Perspektive: „Die Erfahrung zeigt, dass sich Abweichungen bei der Altersansprache in der Praxis nicht vermeiden lassen. Bei Verwaltungsstrafen für Fehlabschüsse ist daher entscheidend, wie groß die subjektive Vorwerfbarkeit im Einzelfall ist. Zudem ist es in der Regel nicht üblich, dass beim ersten Verstoß das volle Strafmaß verhängt wird.“
Zentrale Erkenntnis: Kombination aus Praxis, Wissenschaft und Recht
Die Diskussion machte deutlich: Eine verlässliche Altersansprache beim Rotwild erfordert
- die Erfahrung der Jägerschaft
- eine verbesserte Kommunikation zwischen den Schnittstellen
- wissenschaftliche Kontrollmechanismen
- angepasste rechtliche Rahmenbedingungen
Nur durch diese Kombination kann die Qualität der Altersansprache verbessert und gleichzeitig ein realistischer Umgang mit möglichen Abweichungen gewährleistet werden.
Zum Abschluss resümierte Matthias Grün die Herausforderungen: „Die Altersschätzung beim Rotwild ist besonders in vielfältigen Lebensräumen wie im Burgenland, wo Winterfütterung nicht notwendig ist, eine große Herausforderung. Nur durch viel Ruhe in den Revieren gelingt es, die Sichtbarkeit des Wilds tagsüber zu steigern und somit bessere Voraussetzungen für die Altersansprache zu schaffen. Doch selbst nach der Erlegung bleibt es eine Schätzung mit naturgemäßen Schwankungen.“
Er fordert, diesem Umstand durch praktikable, leicht verständliche und kontrollierbare Vorgaben in den gesetzlichen Regelungen und deren Auslegung Rechnung zu tragen.
Plattform für fachlichen Austausch
Das Jagdsymposium zeigte einmal mehr die Rolle von Esterhazy und PANNATURA als Plattform für fachlichen Dialog und Weiterentwicklung der Jagd. Beim anschließenden Ausklang mit Wildspezialitäten aus dem Restaurant Zum Gogosch wurde der intensive Austausch in persönlicher Atmosphäre fortgesetzt.
Jagdliche Vielfalt bei PANNATURA
Kaum eine Vegetationszone ist so vielfältig wie der pannonische Raum. Die Reviere von PANNATURA erstrecken sich vom Seewinkel über das Leitha- und Rosaliengebirge bis ins Oberpullendorfer Becken. Diese landschaftliche Vielfalt bringt eine besondere Verantwortung mit sich: nachhaltige, fachgerechte und biodiversitätsorientierte Jagd.
Im Bereich Rotwild werden jährlich rund 350 Stück im Sinne eines nachhaltigen Wildtiermanagements entnommen.
Nachhaltigkeit und Auszeichnungen
Die nachhaltige Jagd ist PANNATURA ein großes Anliegen und Teil der Identität des Unternehmens.:
- 2017: Auszeichnung aller betrieblichen Jagdflächen mit dem Wildlife Estates Label
- 2022: Erfolgreiche Rezertifizierung
- Dezember 2022: Verleihung des 1. Biodiversitätspreises des Vereins Grünes Kreuz für Jagd und Natur, als Bestätigung der erfolgreich gesetzten Maßnahmen im Einklang mit der Natur ist.
Weitere Informationen: pannatura.at



