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23.07.2026

Biodiversität mit Biss: Biber und Nutria in der Kulturlandschaft

PANNATURA Biodiversitäts-Event beleuchtet Chancen, Herausforderungen und Management von Biber und Nutria

Im Rahmen des diesjährigen Events zur Biodiversität lud PANNATURA im Juli auf das Bio-Landgut Esterhazy ein, um ein ebenso aktuelles wie vielschichtiges Thema zu beleuchten: Biber und Nutria und ihr Einfluss auf die Lebensräume. Das Podium der Experten aus Naturschutz, Jagd und Landnutzung regten den Austausch über Chancen und Herausforderungen im Umgang mit diesen Tierarten an.

David Simon, Leitung Naturschutz, Jagd, Fischerei und Forschung bei PANNATURA, betonte eingangs die Bedeutung einer differenzierten Auseinandersetzung mit dem Thema: „Biber und Nutria prägen unsere Landschaft sichtbar, jedoch mit unterschiedlichen Auswirkungen auf natürliche Lebensräume sowie wirtschaftlich genutzte Flächen. Um tragfähige Lösungen für die Zukunft zu entwickeln, braucht es den offenen Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Naturschutz.“

Spannungsfeld zwischen Ökologie und Nutzung: Auswirkungen von Biber und Nutria

Beim Event galt es, beide Arten und ihre Lebensweisen sowie deren Folgen im Rahmen von Fachimpulsen ausführlich gegenüberzustellen. Unter der Moderation von Larissa Robitschko wurden die verschiedenen Blickwinkel im Rahmen der Impulsvorträge und der anschließenden Podiumsdiskussion zusammengeführt.

Zuerst erläuterte die Biologin Brigitte Komposch in ihrem Vortrag „Der Biber – Baumeister mit Biss am Vormarsch“ die ökologische Bedeutung des Bibers und seine Rolle als Gestalter vielfältiger Lebensräume. Der Biber ist das größte Nagetier Europas und durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union streng geschützt. Als „Ökosystem-Baumeister“ gestaltet er aktiv seinen Lebensraum, indem er Bäume fällt und Dämme errichtet. Dadurch entstehen neue Feuchtlebensräume, die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten zugutekommen.

Gleichzeitig führt diese Fähigkeit immer wieder zu Konflikten mit menschlichen Nutzungsinteressen, beispielsweise durch Überflutungen von landwirtschaftlichen Flächen, Schäden an Infrastruktur oder Herausforderungen für den Hochwasserschutz. „Die Herausforderung im Umgang mit dem Biber besteht darin, die positiven Effekte für die Biodiversität mit den Interessen von Grundeigentümern und Bewirtschaftern in Einklang zu bringen“, resümiert Komposch.

Mit der südamerikanischen Nutria, einer auch bei uns immer öfter vorkommenden Art, beschäftigte sich Marcus Henke, Präsident der Landesjägerschaft Bremen, in seinem Vortrag „Nutria im Spannungsfeld zwischen Mensch und Ökologie“. Dabei ging er insbesondere auf die Erfahrungen aus Deutschland ein, wo die Art bereits seit Jahren intensiv beobachtet und gemanagt wird, es jedoch verpasst wurde, die Ausbreitung rechtzeitig einzudämmen. Das hat zu weitreichenden Schäden geführt und zum Verschwinden von geschützten Pflanzen- und Tierarten beigetragen. „Die Nutria ist eine anpassungsfähige, invasive Art mit hohem Ausbreitungspotenzial. Noch besteht im Burgenland die Chance, durch koordiniertes Handeln und gemeinsames Verständnis von Grundeigentümern, Naturschutz, Jagd und Politik eine ähnliche Entwicklung wie in Deutschland abzuwenden“, so Henke in seinen Ausführungen.

Mit steigenden Temperaturen wird erwartet, dass sich die Nutria künftig noch weiter ausbreitet und damit auch die Herausforderungen für Naturschutz sowie Land- und Wasserwirtschaft zunehmen. Durch ihre Grabtätigkeit schädigt sie Ufer, Dämme und Böschungen, durch den Fraß von Wasser- und Uferpflanzen verändert sie sensible Lebensräume und verursacht häufig Schäden an Kulturen und Infrastruktur. Zudem bringt sie im Unterschied zum Biber keine ökologischen Vorteile für heimische Lebensgemeinschaften. Als potenzieller Krankheitsüberträger und aufgrund ihres teils aggressiven Verhaltens gegenüber Menschen und vor allem Hunden ist die Nutria zusätzlich problematisch.

Podiumsdiskussion: Biodiversitätsschutz und Management vereinen

Im Rahmen der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten

  • Brigitte Komposch
  • Marcus Henke
  • Tanja Spreitzer-Polleres vom Bibermanagement Burgenland
  • David Simon

über die Möglichkeiten im Umgang mit den Eigenheiten beider Tierarten.

„Die Erfahrungen des Bibermanagements Burgenland zeigen, dass viele Konflikte mit dem Biber durch frühzeitige Beratung und gezielte Maßnahmen entschärft werden können. Genau deshalb sind Information und Prävention zentrale Bestandteile des Bibermananagements“, so Tanja Spreitzer-Polleres über den Biber im Burgenland.

Der weitere Austausch verdeutlichte, dass sowohl beim Biber als auch bei der Nutria differenzierte und praxisorientierte Managementansätze notwendig sind. Während beim Biber aufgrund seines Schutzstatus die Suche nach tragfähigen Lösungen im Vordergrund steht, liegt der Fokus bei der Nutria auf Eindämmung und Kontrolle der Bestände.

Ein regelmäßiges Monitoring wurde dabei als wesentliche Grundlage für fundierte Entscheidungen hervorgehoben. Darüber hinaus wurde die Bedeutung einer gezielten jagdlichen Bewirtschaftung der Nutria betont, um eine unkontrollierte Ausbreitung einzudämmen und Schäden zu minimieren. Gleichzeitig braucht es klare rechtliche Rahmenbedingungen für die Entnahme, die Verwertung von gesundem Wildbret und für Entschädigungen der Jägerschaft, um eine nachhaltige und verantwortungsvolle Bewirtschaftung zu ermöglichen.

David Simon hob abschließend hervor: „Die Herausforderungen rund um Biber und Nutria zeigen, wie wichtig ein ausgewogenes Zusammenspiel von Biodiversitätsschutz und aktiver Bewirtschaftung ist. Nur durch faktenbasierte Entscheidungen und umsichtige Zusammenarbeit können langfristig tragfähige Lösungen entstehen.“

Perspektiven für die Zukunft: Biodiversität, Naturschutz und Zusammenarbeit

Die Veranstaltung machte deutlich, dass Biodiversitätsschutz zunehmend bedeutet, unterschiedliche Interessen und Rahmenbedingungen miteinander in Einklang zu bringen. PANNATURA setzt mit diesem Event im Zeichen der Biodiversität bewusst auf fachlichen Austausch und praxisnahe Diskussionen, um die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam zu bewältigen.

Denn nachhaltiger Naturschutz gelingt nur durch Wissen, Dialog und die Bereitschaft, Lösungen gemeinsam zu entwickeln.

Weitere Informationen zu Biodiversität, Naturschutz, Bibermanagement und Biodiversitätsprojekten von PANNATURA finden Sie unter pannatura.at.