Blaufränkisch besucht Syrah

( Esterhazy )

Noch vor ein paar Jahren sah der typische Blaufränkisch folgendermaßen aus: schwarze Farbe, ein Duft nach dunklen, überreifen Früchten, am Gaumen üppig, mit massivem Gerbstoff, Körper und Alkohol. Vorbild dafür waren die kräftigen Weine aus Bordeaux, die man zu imitieren versuchte.

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Der Ausbau im Barriquefass wurde zur Norm, und je höher der Neuholzanteil war, umso besser galt der Wein. Optisch war dieser Trend an der Flaschenform erkennbar, die hochschultrige Bordeaux setzte sich durch und verdrängte für einige Jahre alle anderen Flaschenformen.

In den letzten Jahren ist eine deutliche Trendwende erkennbar. Gebiete wie Leithaberg, Eisenberg oder Spitzerberg mit ihren filigranen Kalk- und Schieferböden sind die neuen Stars. Die Weinstilistik hat sich ebenfalls geändert, Eleganz ist das neue Üppig, und der Sortencharakter soll deutlich betont werden: die Farbe darf ruhig heller sein, das Aroma ist von der pfeffrigen Würze und einem hellfruchtigen Beerenduft geprägt. Auch die Flaschenform wurde auf die Burgunderflasche geändert. Am Leithaberg sogar vorgeschrieben, soll sie neue Eleganz unterstreichen.


Foto: Steillage in der Côte-Rôtie, die Syrah-Reben werden traditionell einzeln an Stöcke ohne Drahtrahmen gebunden

Auch beim Syrah ist dieser Trend auszumachen, wie ein Besuch in der nördlichen Rhône vor kurzem zeigte. Dachte man bei dieser Sorte vor ein paar Jahren noch an alkoholstarke, nach Vanille und Schokolade duftende Shiraz aus Australien, so hat sich auch bei dieser Rebsorte der Stil merkbar geändert. Am deutlichsten fällt das an der nördlichen Rhône auf. Denkt man bei den berühmtesten Appellationen, Hermitage und Côte-Rôtie, übersetzt „Geröstete Küste“, zunächst an sonnenverbrannte Weinberge mit dementsprechenden wuchtigen Ergebnissen im Weinglas, zeigt sich dann das genaue Gegenteil. Der Alkohol ist mit 12 bis 13 % eher moderat, und die Aromatik wirkt kühl mit frischer Brombeerfrucht und viel weißem Pfeffer.



Foto: Tagesanbruch bei der Kapelle am Hermitage-Berg

Bei Verkostungen mit den mitgereisten Winzern war auffällig, wie oft Vergleiche mit Blaufränkisch gezogen wurden. Beide Rebsorten duften stark nach weißem Pfeffer, was in dieser Intensität nur bei Syrah und Blaufränkisch möglich ist. Dazu die perfekte Balance und ein Tiefgang, der von feinem Tannin und stützender Säure getragen wird.

Bei Diskussionen, ob sich der Stil des Blaufränkisch mehr an Bordeaux erinnert oder ins burgundische geht, könnte man entgegnen mehr in Richtung Syrah von der nördlichen Rhône. Oder einmal aus österreichischer Sicht gesehen: Syrah entwickelt sich immer mehr in Richtung Blaufränkisch.