Die Highlights der Sammlung Esterházy

 (Esterhazy)

Sensationelle Funde und ambitionierte Ausstellungsprojekte machten nicht erst 2013 zu einem spannenden Jahr für die Gäste der Sammlung Privatstiftung Esterházy.

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Information und Kontakt

Persönliches im Schloss Esterházy

„Das Appartement der Fürstin. Lebenswelt – Schicksalswelt“ beschreibt die Persönlichkeit dreier Fürstinnen anhand ihres privaten Umfelds im Schloss Esterházy. Für diese Ausstellung wurden die Räume im Westflügel auf ihre historische Gestaltung und Verwendung hin genauestens beforscht, befundet sowie generalsaniert. Dadurch ist es möglich, den Fürstinnen in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld, ihrem Appartement, nachzuspüren. Gleichzeitig berichten die einzelnen Räume von ihrer ursprünglichen Bedeutung und Nutzung und beleuchten so den Alltag sowie die Rolle, die adelige Frauen des 19. Jahrhunderts einzunehmen hatten. Historisches Mobiliar und restaurierte Wandgestaltungen geben jetzt erstmals den authentischen Rahmen für die Präsentation der Fürstengattinnen. Im darüber liegenden Geschoss werden Räume der Kammerzofen und Bediensteten gezeigt. Erstaunlich ist, wie liebevoll diese Räume dekoriert waren.

Alltag, Feste und Politik

„Darüber hinaus wurden in zweijähriger Detektivarbeit Porträts, Tagebücher, persönliche Korrespondenz oder Berichte von Zeitgenossen durchforstet, um die Fürstinnen Maria Josepha Hermenegilde, Maria Theresia und Lady Sarah Frederica aus einem gänzlich neuen Blickwinkel betrachten zu können“, freut sich Dr. Florian Bayer, Leiter der Sammlung Privatstiftung Esterházy. Anhand der Ergebnisse dieser Forschungstätigkeit erlebt man in der Ausstellung den Lebensweg, der ihnen bestimmt war, sowie das komplexe Netz von Repräsentation und Politik, in das sie verwoben waren. Einblick erhält man auch in die Facetten ihrer Persönlichkeit und wie sich Alltag, Feste, Ehe und Familienleben gestalteten.

Sensationelle Funde in der Instrumentensammlung

Im ehemaligen Dienstbotenaufenthaltsraum des Schlosses, der sich im Laufe der Zeit zu einem Speicher für verschiedenste Gegenstände entwickelte, wurde Haydns fünfsaitiger Kontrabass entdeckt. In bemitleidenswertem Zustand, erbaut 1759 von Johann Josef Stadelmann, dem Geigenbauer am Wiener Hof und Besten seiner Zeit, wurde er aufwendig restauriert und wieder bespielbar gemacht. Im Rahmen der Liebhaber-Concerte im Schloss Esterházy konnte nicht nur der Kontrabass, sondern auch das vergessene Genre der Salon- und Hausmusik zum Leben erweckt werden. Ein weiteres Glanzlicht der historischen Instrumentensammlung ist der Hammerflügel, der im ehemaligen Waffensaal aufgefunden wurde. Erbaut wurde er vor 1805 vom legendären Mathias Müller für Fürstin Maria Josepha Hermenegilde. Er ist in der Ausstellung "Haydn explosiv. Musik aus revolutionären Zeiten" in der Sala Terrena des Schlosses Esterházy zu bestaunen. „Seine Instandsetzung glich einem Puzzlespiel. Man fand Fehlteile des Hammerflügels auch in anderen Räumlichkeiten des Schlosses“, erzählt Dr. Bayer.

Das Fürstliche Zeughaus Burg Forchtenstein

Neu auf der Burg Forchtenstein ist der gesamte Ausstellungsbereich „Granaten, Fahnen, Grenadiere“. Nur die jahrelange akribische Forschung der Sammlungsmitarbeiter ermöglichte den Einblick in die Sternstunden Esterházy’scher Militärgeschichte vom späten 17. bis ins späte 19. Jahrhundert.

Krönungsfahne von 1618

Eines davon ist die älteste original erhaltene ungarische Krönungsfahne (aus Seide). Kastellan Dr. Zechmeister kennt die Geschichte dieser Fahne: „Sie wurde von Nikolaus Esterházy, dem späteren Palatin, am 1. Juli 1618 bei der Krönung von Ferdinand II. zum ungarischen König getragen. Da die Fahnenträger ihre Fahnen nach der Krönungszeremonie behielten, gelangte das kostbare Objekt auf Burg Forchtenstein, wo es sich bis heute in der Fahnensammlung erhalten hat. Für die Ausstellung wurde die aufgrund ihres Alters bereits geschwächte Seidenfahne in diffiziler Handwerkskunst eines erfahrenen Fachmannes restauriert.

Restaurierter Barockschmuck

Erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde aufwendig restaurierter und teilrekonstruierter Barockschmuck aus der Esterházy-Schatzkammer auf Burg Forchtenstein. Drei Jahre beschäftigten sich die Mitarbeiter der Sammlungsabteilung mit der Frage, ob und wie weit man mit der Rekonstruktion von fehlenden Teilen der erhaltenen Schmuckstücke gehen könne. Umfassende Recherchen, vor allem an den zahlreichen Porträts der Ahnengalerie auf Burg Forchtenstein sowie an im Budapester Nationalarchiv aufgefundenen Federzeichnungen, die große Geschmeidegarnituren zeigen, dienten als Orientierungsgrundlage für das Befüllen der teilweise leeren Fassungen. In die Objekte wurden einerseits Perlen und Steine, die man zum Teil lose in der Schatzkammer auf der Burg fand, eingearbeitet, andererseits setzte man neue Steine ein, die nach den Originalvorlagen geschliffen wurden, um den Kostbarkeiten ihr einstmals prächtiges Aussehen zurückzugeben. Die prächtigen und üppigen Schmuckkreationen werden gemeinsam mit den Ahnenporträts, auf denen sie zu sehen sind, präsentiert. Sie ermöglichen erstmals einen umfassenden und sehr seltenen Blick auf den repräsentativen Schmuck der Aristokraten des 17. Jahrhunderts.

Auswertung im Vordergrund

Dr. Bayer zur wissenschaftlichen Tätigkeit der Sammlungsabteilung:
Nach sieben Jahren der akribischen Erfassung und Bewertung des historischen Sammlungsbestandes, verbunden mit zahlreichen Restaurierungen, tritt die Sammlungsabteilung in eine neue Phase ein. Im Vordergrund stehen nun die wissenschaftliche Auswertung der zahlreichen Erkenntnisse zu Geschichte und Kunsthistorie der Sammlungen sowie eine analytische
Bewertung der Objekte. Zu Unrecht stehen sie oft im Schatten der bemerkenswerten Exponate der Ausstellungen der Sammlung Privatstiftung Esterházy. Gemeint sind die Mitarbeiter der Sammlungsabteilung, die mit ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit diese großartige Vielfalt an Ausstellungsstücken erst möglich machen.

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