Herstellung und Form der Granatkörper für frühneuzeitliche Handgranaten

 (Esterhazy)

"Die Granate oder Grenade ist eine hohle Kugel aus Eisen, Metall oder Glas, welche inwendig mit Pulver gefüllet, und mit einer Brannt-Röhre, die einen gehörigen Brannt-Satz in sich hat, versehen ist, welchen man mittels brennender Lunte anzuzünden und unter die Feinde zu werfen pfleget"

Herstellung Form Granatkoerper fuer
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Bei Zedler31 wird angeführt:
„Die Granate oder Grenade ist eine hohle Kugel aus Eisen, Metall oder Glas, welche inwendig mit Pulver gefüllet, und mit einer Brannt-Röhre, die einen gehörigen Brannt-Satz in sich hat, versehen ist, welchen man mittels brennender Lunte anzuzünden und unter die Feinde zu werfen pfleget, da dann wann der Brannt-Satz ausgebrannt ist, solcher das in der Höhle der Kugel befindliche Pulver ergreiffet, dasselbe in Brannt setzt, und dadurch die Kugel in viele  Stücke zersprenget, durch welche die umstehenden überaus beschädigt und blessieret werden.“

Fleming präzisiert im Jahr 1726 weiter: „Die zum Ernst sind von Eisen, von Metall oder dicken Glas. Die Metallenen sind zu kostbar und springen nicht leichtlich in Stücken sondern borsten nur. Die Gläsernen wurden vor diesen [nämlich den Metallenen] wieder die Türcken, Tartaren oder den Erbfeind gebraucht, sind aber abgeschafft worden“32.

Eine Aussage die für einen guten Teil Mitteleuropas nicht zutreffen dürfte, wie die Bestände von Basel, Freiburg und Forchtenstein bzw. Schaumburg-Lippe (1740) zeigen.
Die Abmessungen der Handgranaten werden bei  Furttenbach, Böcklin und Fleming generell nicht als Längenmaß, sondern als Bruchzahl des Durchmessers („Diametri“) der Handgranate angegeben. Der Handgranatendurchmesser nimmt offenbar in jener Zeit dieselbe Funktion ein, wie das Kaliber (der innere Durchmesser des Rohres) bei der Herstellung von Kanonen
und Mörsern: Das verwendete Material (Metall, Gusseisen, Glas) wird bei der Wandstärke durch eine unterschiedliche Größe des Bruches berücksichtigt. Sprödere Werkstoffe erhalten größere Wandstärken.

Zedler führt aus:33
„Die Dicke des Eisens an denen eisernen Hand-Granaten ist 1/9 des ganzen Diametri derselbigen; dahero der Diameter der inneren Höhle 7/9 des ganzen Diametri der Granate bekommt. Die Dicke des Metalls an den metallenen Granaten ist 2/10 ihres Diametri; die Stärcke des Glases an den gläsernen 1/7 ihres Diametri. Die Granaten sind inwendig hohl, haben aber oben eine Circel-runde Öffnung, deren Diameter 2/9 des ganzen Diametri der Granate gleich gemacht wird.
Durch dies Öffnung wird ein höltzernes Rohr, so die Brannt-Röhre ausmacht, der Granate inseriret, welches zu seiner Länge 2/3 des Diametri der Granate erhält. Die Diameter aber der Eröffnung diese Rohre, so an beiden Enden offen ist, 1/18 eben desselben Diametri groß gemacht wird.“

„Die Höhlung des Rohres wird mit einem Brannt-Satze von folgender Composition gefüllet: 1. Pfund Mehl-Pulver, 1. Pfund Salpeter, 1. Pfund Schwefel; oder auch 3. Pfund Mehl-Pulver, 2. Pfund Salpeter, 1. Pfund Schwefel. Welche Materie feste in die ermeldete Öffnung eingesetzt und gestoßen wird. Den inneren Raum der Granate füllet man mit Korn-Pulver, setzte hernach mals diese Röhre mit ihrem Brannt-Satze ein, welche oben an der Öffnung der Granate mit Wercke und einem Kitte feste verluiret und verwahret wird.
Den Kitt bereitet man aus 4. Theilen schwartz Pech, 2. Theilen Colophonium, 1. Theil Terpenthin, und ein Theil Wachs, welche in einem gläsernen gefässe geschmelzet, und wohl untereinander gemischet werden. Das obere Theil der Röhre, so über die Granate herausraget, ist nach dem Stück einer Kugel ausgehöhlet, welches man mit Mehl-Pulver füllet, und solches mit Gummi-Wasser befeuchtet, damit das Pulver feste daran kleben bleibt.“
Um den Zutritt von Feuchtigkeit zu verhindern und so die Zündfähigkeit des Pulvers zu erhalten, hat man diesen Teil noch mit einem Stück Schweinsblase abgedeckt, die der Grenadier vor dem Wurf mit den Zähnen abreißen musste.

Quellen

31 Universal Lexikon von Zedler, Johann H.: Halle und Leipzig 1735, Band 11 GM bis GZ,
Spalte 565 bis 568.
32 Fleming: S. 74, §10.
33 Zedler: Universal Lexikon, Band 11 GM bis GZ, Spalte 565.

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