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Die Glas-Handgranaten der Grenadiere der Fürsten Esterházy im Zeughaus der Burg Forchtenstein

22.08.2013 | 16:26 |  (Esterhazy)

Von Franz Felberbauer. Der Artikel von DDr. Franz Felberbauer, Lektor am Institut für Geschichte der Universität Wien, ist in "Waffen- und Kostümkunde", Heft 2 /2012, erschienen.


Die Burg Forchtenstein, an einem Ausläufer des Rosaliengebirge über der ungarischen Tiefebene im österreichischen Bundesland Burgenland gelegen, befindet sich seit Anfang des 17. Jahrhunderts im Besitz der Familie Esterházy. Die mittelalterliche Burg wurde 1630 und nochmals 1670 durch den Zubau von Basteien zu einer zeitgemäßen Wehranlage ausgebaut. Sie diente der österreichisch - ungarischen Landesverteidigung als eine der wichtigsten und niemals eroberten Grenzfestungen in den Türkenkriegen und in der Folge längere Zeit als Kaserne der Esterházy-Grenadiere, als Zeughaus für die ungarische Insurrektion und als Arsenal zur Herstellung von Waffen und Munition. Zuletzt war sie wohl Munitionsdepot, Museum und Archiv, unter anderem für die Ausrüstung eines aufgelassenen Husarenregimentes1.

In den Beständen des Zeughauses finden sich noch Halbfabrikate wie Rohlinge für die Naben von Geschützrädern und grob zugehauene Schaftrohlinge für Gewehre. Dazu kommen zahlreiche Munitionsbestandteile, darunter Kartätschkugeln aus Eisen und Glas. Neben eisernen und steinernen Kanonenkugeln gibt es ungefüllte und unbezünderte Handgranatenkörper aus Glas, Gusseisen und Ton, aber auch handgranatengroße Holz- und Marmorkugeln.

Handgranaten waren im 17. und 18. Jahrhundert die namensgebende Waffe der Grenadiere und die relativ großen Bestände der Burg an dieser Munition stellen eines der bemerkenswertesten und heutzutage international sehr seltenen Ausstellungsobjekte dar.

Abb. 1: Zeughaus der Burg Forchtenstein. Inventar, Dokumentation oder Laboriervorschriften fehlen. Zahlreiche Halbfabrikate weisen auf eine Fertigungsstätte für Waffen und Munition hin. Die Glashandgranaten liegen in der hinteren Kiste. Die zweite Kiste vorn enthält gusseiserne Handgranaten und gusseiserne Kartätschkugeln. Die erste Kiste enthält Kartätschkugeln aus Waldglas, welche in geflochtene Weidenkörbchen gefüllt (auf den oberhalb befindlichen Regalen ausgestellt) und von Geschützen verschossen wurden.(Esterházy Privatstiftung, Burg Forchtenstein – Zeughaus- und Waffensammlung; Foto: Manfred Horvath, Wien).

Da es nun die Privatstiftung Esterházy als Besitzer der Burg Forchtenstein unternimmt, die Bestände des Zeughauses mit dem Ziel einer Neuaufstellung des Burgmuseums zu ordnen und zu klassifizieren, bietet sich die außergewöhnliche Gelegenheit, eine systematische Untersuchung der lagernden Handgranaten vorzunehmen, von denen die Glashandgranaten den zahlenmäßig größten Bestand bilden. Dabei sollten auch Erkenntnisse über Herstellung dieser Glashandgranaten, die Ausrüstung der Grenadiere, sowie ihre vermutliche Einsatztaktik und Waffenwirkung gewonnen und der Versuch gemacht werden, einen Vergleich mit den vom Einsatz her noch immer gleichartigen Handgranaten des 20./21. Jahrhunderts herzustellen.


Abb. 2: Ton- und Glashandgranaten im Schauraum von Burg Forchtenstein (Foto: Felberbauer).

 

Anmerkungen

1 Dolleczek, Anton: Monographie der k. u. k. österr.-ung. blanken und Handfeuer-Waffen,
Wien 1896, Nachdruck Graz 1970, S. 13. Es handelt sich um das 1741 errichtete und
1775 aufgelöste Husaren-Regiment GM Fürst Paul Esterházy.

 

 


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