Prinzipien, Kriterien und Indikatoren einer nachhaltigen Jagd in den Esterhazy-Betrieben

 (Esterhazy)

Die in diesem Bewertungsset vorliegenden Subkriterien bzw. Indikatoren für nachhaltige Jagd in den Esterhazy-Betrieben beziehen sich auf das jagdliche Handlungsfeld und die jagdlichen Tätigkeiten, wobei mögliche Auswirkungen dieser Tätigkeiten auf andere Sektoren der Landnutzung (Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Freizeit und Erholung) mit berücksichtigt wurden.

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Die langfristige Bewirtschaftung und Nutzung von Landschaft und Natur in verschiedener Form ist eine der Kernaufgaben der Esterházy Betriebe. Ziel des Hauses Esterházy ist es, das Leitbild der Nachhaltigkeit in allen Bereichen des Unternehmens zu etablieren, so auch in der Jagd.
Die Jagd beeinflusst durch Hege und Entnahme von Wildtieren natürliche Ressourcen. Dies wirkt sich auf Ökosysteme und andere Landnutzer wie Land-und Forstwirtschaft, Tourismus etc. aus. Wildtiere sowie deren Bejagbarkeit werden wiederum auch von verschiedenen Landnutzungen beeinflusst. Nachhaltige Jagd zielt auf die Erhaltung der Ökosysteme, der Arten und Populationen sowie deren genetische Vielfalt ab, wobei ein Gleichgewicht zwischen Schutz und nachhaltiger Nutzung angestrebt wird.


Die Esterházy Betriebe haben sich in ihrem Nachhaltigkeitsbericht 2006/2007 dazu bekannt, sich am Konzept der „Kriterien und Indikatoren einer nachhaltigen Jagd“  orientieren zu wollen, um betriebliche Nachhaltigkeitsziele im Bereich „Wildbewirtschaftung und Jagd“ zu erreichen (siehe Nachhaltigkeitsbericht 2006/2007 der Esterházy Betriebe GmbH Seite 106).
Die in diesem Bewertungsset vorliegenden Subkriterien bzw. Indikatoren für nachhaltige Jagd in den Esterhazy-Betrieben beziehen sich auf das jagdliche Handlungsfeld und die jagdlichen Tätigkeiten, wobei mögliche Auswirkungen dieser Tätigkeiten auf andere Sektoren der Landnutzung (Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Freizeit und Erholung) mit berücksichtigt wurden. Sowohl für die Jagd (den jagdausübungsberechtigten Jäger), als auch für das Grundeigentum (den jagdberechtigten Grundeigentümer) wurde damit eine Bewertungsmöglichkeit geschaffen. Das Bewertungsset dient der Selbstbewertung von Jägern (v. a. Jagdpächtern, Abschussnehmern) und Grundeigentümern in ihrer Rolle als Jagdberechtigte (Jagd-Verpächter, Jagdgenossenschaften) und soll die Überprüfung der Nachhaltigkeit der jagdlichen Tätigkeit im Hinblick auf die langfristige Erhaltung heimischer Wildarten und ihrer Lebensräume sowie eine nachhaltige Jagdausübung ermöglichen.
Bei der Bewertung berücksichtigt werden in diesem Entwurf für ein Set also ausschließlich Einflussmöglichkeiten von Jägern (und Grundeigentümern) auf die Nachhaltigkeit der Jagd, verbunden mit der langfristigen Sicherung artenreicher Wildtierbestände und Wildtierlebensräume. Die Selbstbewertung mit Hilfe von Subkriterien bzw. Indikatoren umfasst grundsätzlich alle Wildarten, vor allem jagdbare Wildarten, es sei denn es wird speziell auf bestimmte Wildarten hingewiesen.
Der vorliegende Entwurf eines Bewertungssets befasst sich ausschließlich mit der Jagd selbst, wohl wissend, dass für eine Einbettung in ein Gesamtnachhaltigkeitskonzept die Berücksichtigung externer Einflüsse auf die Jagd von wesentlicher Bedeutung ist. Entsprechende Nachhaltigkeitsanforderungen sind jedoch in den betreffenden Sektoren selbst formuliert bzw. zu erarbeiten. Das hier zum Ausdruck kommende Verständnis von nachhaltiger Jagdausübung schließt aber insbesondere mit ein, dass die Nachhaltigkeitsansprüche anderer Landnutzer durch die jagdliche Tätigkeit nicht beeinträchtigt werden.


Die Esterházy-Betriebe haben vor allem als Grundeigentümer, Jagdanbieter, Land und Forstwirtschaftbetrieb und Anbieter von Freizeit- und Erholungseinrichtungen eine wichtige Rolle bei der Koordination der Jagd sowie bei der Integration und beim Management unterschiedlicher Landnutzungsinteressen. Um diese Aufgaben optimal wahrnehmen zu können sind die Esterházy-Betriebe unter anderem bestrebt, weniger langjährige Jagdpachten zu vergeben und die Jagd mehr über Abschussnehmerverträge ausüben zu lassen.
Der etwa 1.200 ha große und seit etwa 250 Jahren bestehende Eisenstädter Tiergarten ist aus den Betrachtungen des gegenständlichen Projekts ausgenommen, da er nicht mit der Umgebung vergleichbar ist. So können insbesondere großräumig agierende Wildtiere, wie etwa Rot- und Schwarzwild, aufgrund der durchgehenden Einfriedung durch eine wildtierdichte Mauer weder ein- noch auswechseln. Darüber hinaus unterscheidet sich das Wildtiermanagement innerhalb des Tiergartens z. T. deutlich von dem der Umgebung außerhalb, insbesondere betrifft dies den Einsatz von Schwarzwildkirrungen. Demnach sind einige Nachhaltigkeitsindikatoren bzw. Subkriterien für die Jagd aus dem vorliegenden Set nicht anwendbar, aller Voraussicht nach können hingegen die meisten der vorliegenden Nachhaltigkeitsindikatoren auch innerhalb des Tiergartens angewandt werden. Der Eisenstädter Tiergarten wird als wissenschaftlich begleitetes Jagdgatter betrieben, seine Bewirtschaftung erfordert demnach eine gesonderte Betrachtung.

Kurze Entstehungsgeschichte der Indikatoren einer nachhaltigen Jagd in den Esterházy-Betrieben:
•    Symposium „Nachhaltige Jagd in den Esterhazy-Betrieben“ am 23.4. 2010 im Schloss Lackenbach
•    Jagdsymposium „Gemeinsam nachhaltig jagen – Entwicklung betriebsspezifischer Nachhaltigkeitsindikatoren“ am 23.3. 2012 im Schloss Eisenstadt
•    Einrichtung einer Arbeitsgruppe (AG) mit den relevanten Stakeholdern
•    1. Treffen der AG zum Thema „Ökologie“ am 7.5. 2012 im Schloss Lackenbach
•    2. Treffen der AG zum Thema „Ökonomie“ am 19.6. 2012 im Schloss Lackenbach
•    3. Treffen der AG zum Thema „Soziales und Kommunikation“ am 28.8. 2012 im Schloss Lackenbach
•    Praxistestungen in verschiedenen Jagdrevieren der Esterhazy-Betriebe am 6.11. 2012, 4.12. 2012 sowie am 30.1. 2013
•    Workshop zum wissenschaftlichen Quer-Check am 3.4. 2013 im Umweltbundesamt in Wien